Zwischen Kerzenlicht und kollektivem Erleben – Über Riten, Feste und das Bedürfnis nach Bedeutung
In keiner anderen Zeit des Jahres – besonders in unseren westlich geprägten Gesellschaften – wird uns die Bedeutung von Ritualen und Traditionen so sehr bewusst wie in den kurzen, kalten Wintertagen um Weihnachten. Gemeinschaft, Besinnlichkeit, ruhige Momente im Kerzenschein oder eine Rückkehr in die Natur, in der Hoffnung auf Schnee – das Leben wird langsamer im Winter. Lichterketten, gemeinsame Abendessen, Adventskalender, Weihnachtsmärkte sind nur einige der Rituale, die für uns auf der Nordhalbkugel die Weihnachtszeit strukturieren. Zwar mag Weihnachten in den letzten Jahrzehnten zunehmend zu einem kommerziellen Anlass geworden zu sein, der seinen Weg in dieser Form sogar in Länder gefunden hat, die keine christliche Tradition haben und auch eigentlich gar kein Weihnachten feiern – wie beispielsweise in Japan, in dem Christen weniger als 2% der Bevölkerung ausmachen. Doch zugleich bleibt Weihnachten noch immer mehr als nur ein buntes, zimtig-glühweiniges Lichterfest im Dezember. Es ist auch noch immer ein gemeinsames Ritual, ein kollektiver Akt der Tradition, ein kultureller Speicher. Feste, Riten, Traditionen sind Speicher dessen, was unsere Gemeinschaft als solche definiert, ihre Geschichte, Werte und …


